Schon jetzt muss die Politik Reformen anpacken, damit die Jungen in der Schweiz trotz Corona eine Zukunftsperspektive haben.

Gastkommentar zur Pandemiepolitik von Andri Silberschmidt

Im Schatten der Covid-19-Pandemie haben sich die Zukunftsaussichten der Generation der Jungen und Jüngsten in der Schweiz massiv verschlechtert: Die Politik muss im neuen Jahr alles daran setzen, um dies zu ändern. Die junge Generation hat es verdient, trotz Corona ohne enorme Lasten aufwachsen zu können. Sie soll ihrem Tatendrang freien Lauf lassen können.

Über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler gehen davon aus, dass sie während des schulischen Lockdown im Corona-Jahr 2020 Lernfortschritte eingebüsst haben.Die internationale Mobilität der Studierenden von Schweizer Universitäten ist um die Hälfte zurückgegangen.

Nicht nur das: Die Gesamtzahl der Stelleninserate auf dem Jobportal der Universität Zürich ging im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent zurück. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist für junge Menschen – ob mit oder ohne Studium – pandemiebedingt schwieriger geworden.

Insgesamt hat die psychische Gesundheit der jungen Generation massiv gelitten. Laut der Uni Basel leiden 29 Prozent der 14- bis 24-Jährigen in der zweiten Welle der Pandemie an schwerer Depression. Zum Vergleich: Bei den 55- bis 64-Jährigen sind es 13 Prozent und bei den Pensionierten nur 6 Prozent. Der «Tages-Anzeiger» berichtete, dass der Zulauf Jugendlicher zu den psychiatrischen Anlaufstellen massiv zugenommen hat.

Gleichzeitig werden die Schulden des Bundes im Jahr 2020 um 20 Milliarden Franken zunehmen, 2021 um 6 Milliarden. Das bedeutet, dass es etwa zwanzig Jahre dauern wird, um die Staatsverschuldung wieder auf den Stand von Ende 2019 zu drücken.

Die Fakten zeigen: Wenn die Politik nichts unternimmt, läuft die Schweizer Jugend von heute Gefahr, eine verlorene Generation zu werden. Sie wird eine grosse Schuldenlast zu tragen haben, gleichzeitig aber auf dem Arbeitsmarkt geringere Chancen haben.

Darum muss der Fokus der Politik im Jahr 2021 voll und ganz auf jugend- und enkeltauglichen politischen Lösungen liegen. Ich sehe drei Kernthemen:

  1. Bildung und Arbeitsmarkt stärken. Wir müssen die Durchlässigkeit des Bildungssystems ausbauen. Ausgaben für die praxisorientierte Weiterbildung sollen, weit über die Jugendjahre hinaus, steuerabzugsfähig werden. Hürden beim Einstieg in den Arbeitsmarkt müssen beseitigt sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von Bürokratie und Steuern entlastet werden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen durch die Einführung der Individualbesteuerung, die Deregulierung des Arbeitsrechts und Förderung der Selbstständigkeit für die Zukunft des Arbeitsmarkts fit gemacht werden.
  2. Überfällige Reformen anpacken. Die Politik hat längst fällige Reformen bisher vor sich hergeschoben. Das betrifft vor allem die Sozialwerke, die AHV und das Pensionskassensystem. Sie weisen ungewollte Umverteilungen zulasten der arbeitenden Bevölkerung auf. Das Parlament muss sich im Jahr 2021 zusammenraufen und endlich seine Hausaufgaben erledigen, um die junge Bevölkerung von ungedeckten Finanzierungsversprechen zu befreien. Ein weiterer Befreiungsschlag ist in der Digitalisierung angesagt. Wir müssen dafür sorgen, dass wir in Europa bei der Automatisierung und Digitalisierung an die Spitze kommen. Nur so bleibt unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig.
  3. Bewährtes bewahren. Dank der Schuldenbremse war die Schweiz in der Krise finanzpolitisch handlungsfähig. Schnell sprachen Bund und Kantone Unterstützungsgelder. Damit dies auch in zukünftigen Krisen möglich sein wird, müssen wir am Prinzip der Schuldenbremse festhalten und die aufgehäuften Schulden in den kommenden Jahren Schritt für Schritt abbauen.

Die Zeit einer kurzfristigen Politik, deren Horizont über die nächsten Wahlen nicht hinausgeht, muss ein Ende haben. Es ist Zeit für ein neues politisches Handeln, das die Nachhaltigkeit in allen Facetten im Fokus hat.

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