Wer sich weiterbildet, soll weniger Steuern zahlen – das fordert FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt. Seine Chefin Petra Gössi zeigt gleich am eigenen Beispiel, wie wichtig ihr Weiterbildungen sind.

von Noa Dibbasey

Ständige Weiterbildung ist unumgänglich: Davon ist FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt (27) überzeugt. Denn viele Jobs, mit denen wir in 20 Jahren unser Brot verdienen werden, existieren heute noch gar nicht.

Um einen Anreiz für das lebenslange Lernen zu setzen, fordert Silberschmidt in einem Vorstoss, dass Ausgaben für eine Weiterbildung mit dem Faktor 1,5 von der direkten Bundessteuer abgezogen werden können. Wer einen Kurs für 5000 Franken absolviert, darf dann 7500 Franken von den Steuern abziehen.

Petra Gössi lebt es vor

Welch grosse Bedeutung die FDP dem lebenslangen Lernen zumisst, zeigte letzte Woche auch Parteichefin Petra Gössi (45) höchstpersönlich: Sie verabschiedete sich mitten in der laufenden Parlamentssession, um während einer Woche eine Weiterbildung an der Uni St. Gallen zu absolvieren.

«Ich finde es generell gut, wenn Politiker sich weiterbilden und sich nicht nur vom Elfenbeinturm Bundeshaus aus ein Bild machen», verteidigt Silberschmidt seine Präsidentin. An der Generation seiner Eltern sehe er schliesslich, dass sich manche jahrelang nicht weitergebildet haben – und so den Anschluss auf dem Arbeitsmarkt verloren haben.

Alle Fraktionen unterstützen Silberschmidts Anliegen

Silberschmidt ist überzeugt: Langfristig profitierten von einem solchen Steuerabzug alle – Arbeitnehmer, Arbeitgeber und auch der Staat. Schliesslich führten Weiterbildungen zu höheren Einkommen und so zu mehr Steuern.

Und weil alle profitieren, unterstützen auch Bildungspolitiker aus allen Fraktionen Silberschmidts Vorstoss. Was ihn doppelt freut: Silberschmidt, der sich als lösungsorientierten Politiker begreift, stört sich an der zunehmenden Feindseligkeit im Bundeshaus. Zwar spannten Parteien von links bis rechts in den letzten drei Wochen Session durchaus bei einigen Anliegen zusammen – so etwa bei Vorstössen zur staatlichen E-ID, zur Digitalisierung des Notrufs für gehörlose Menschen oder zu einem Holocaust-Mahnmal in der Schweiz.

Die Session der Gehässigkeit

Doch diese Beispiele entsprächen nicht dem Grundtenor in der Wandelhalle, findet Silberschmidt. In der Tat fiel die Session vor allem durch viele Gehässigkeiten auf. Debatten wie etwa die neunstündige Chropfleerete zum Covid-Gesetz, führten dazu, dass sich jede Partei irgendwann vor den Kopf gestossen fühlte. «Dass jeder Antrag dazu verwendet wird, gegeneinander zu schiessen, schadet der Gesetzgebung», kritisiert der FDPler.

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