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Das E-ID-Gesetz will erstmals einen amtlichen Ausweis kommerzialisieren, wie die Gegner monieren. Eine vom Verband Digitalswitzerland angeführte Allianz mit Vertreterinnen und Vertretern von mehreren Parteien machte am Donnerstag auf die Vorzüge der Vorlage aufmerksam.

Es sei höchste Zeit für eine rasche Einführung der digitalen Identität, sagte Nicolas Bürer, Geschäftsführer von Digitalswitzerland am Donnerstag vor den Medien. Immer mehr Menschen, Behörden, Verbände und Unternehmen seien online tätig und brauchten eine zweifelsfreie Identifikation im Internet. Mit dem neuen Gesetz sei das auf sichere Weise möglich.

Die Notwendigkeit einer eigenen E-ID sei unbestritten, sagte Bürer. Das zeige die breite Unterstützung durch Bundesrat, Parlament, Kantone, Gemeinden und Wirtschaftsverbände sowie den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Am 7. März entscheidet das Volk an der Urne.

«Schweizer Qualität statt Wildwuchs»

In der Ja-Allianz engagieren sich nach Angaben des Komitees Vertreterinnen und Vertreter von FDP, Die Mitte, GLP, SVP und SP. Die Sozialdemokraten haben auf nationaler Ebene das von der Digitalen Gesellschaft lancierte Referendum unterstützt.

Anders SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher (56). Sie sage aus Überzeugung Ja. Es handle sich um eine «sehr gut austarierte politische Lösung». Das Gesetz nehme zahlreiche Forderungen und Bedenken der Kritiker auf und sei ein gelungener und zukunftsfähiger Kompromiss. Die Aufgabenteilung von Bund und privaten und behördlichen Anbietern sei klar geregelt. Es sei «Schweizer Qualität statt Wildwuchs», warb Graf-Litscher.

Immer dem neusten Stand der Technologie entsprechen

«Die E-ID wird unter staatlicher Aufsicht geregelt und mit der Innovationskraft von Schweizer Unternehmen entwickelt», hielt FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt (26) fest. Diese Aufgabenteilung sei aufgrund der sich rasant entwickelnden Informationstechnologie zwingend: Eine alltagstaugliche E-ID müsse gerade auch aus Sicherheitsgründen immer dem neusten Stand der Technologie entsprechen.

Laut Gesetzestext soll die Eidgenössische E-ID-Kommission (Eidcom) für die Anerkennung der Aussteller von E-ID zuständig sein und diese auch beaufsichtigen. Als Herausgeberin in den Startlöchern ist bereits die Swiss Sign Group, die die Swiss ID betreibt. Zum Konsortium gehören Post, SBB, Swisscom, Six, die Grossbanken und Versicherungen.

Für Gegner eine «hoheitliche Aufgabe des Staates»

Die Gegner kritisieren vor allem die Rolle der privaten Unternehmen, welche die E-ID ausstellen sollen. Die Herausgabe der E-ID sei eine «hoheitliche Aufgabe des Staates und kein Geschäftsmodell für private Unternehmen», argumentieren sie.

Die Befürworter halten entgegen, dass die E-ID für alle freiwillig sei. Für die Gemeinden und Kantone sei es aber wichtig, endlich eine gesetzliche Grundlage für bürgernahe und benutzerfreundliche E-Government-Angebote zu haben, sagte der Freiburger Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty (49). So könnten «mit einem Klick» viele Dinge erledigt werden. Heute hätten die Kantone eigene Rezepte. Das sei teuer und kompliziert.

«Mehr Kontrolle und Transparenz für unsere Daten»

Der Datenschutz sei sichergestellt, versicherte Jurist und GLP-Nationalrat Beat Flach (56). Das Gesetz schaffe klare Regeln und garantiere zudem, dass die Daten in der Schweiz blieben. «Mit der E-ID erhalten wir mehr Kontrolle und Transparenz über unsere Daten.»

Das E-ID-Gesetz sei der erste gelungene Versuch einer Public-Private-Partnership, findet Flach: «Wenn der Staat alle Aufgaben selber übernehmen würde, würde er den Anschluss verlieren.»

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