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Weniger, dafür aber gesunde Spitäler

Was wäre, wenn die Spitäler genügend Geld hätten, um aus eigener Kraft wichtige Investitionen zu tätigen? Ein Blick in eine Zukunft mit weniger, aber hochwertigeren Spitalbetrieben. 

Langsam, aber sicher wird bekannt, wie es um die finanzielle Stabilität der Schweizer Spitäler steht. Im Jahr 2023 verlor das Genfer Universitätsspital knapp 52 Millionen Franken. Das Zürcher Universitätsspital schloss mit einem Minus von knapp 50 Millionen Franken ab. Die Verluste betreffen aber nicht nur die grossen öffentlichen Spitäler, sondern viele der insgesamt 278 Spitäler in der Schweiz. Die Situation ist für einige Spitäler sogar lebensbedrohlich. 

Obwohl die neue Spitalfinanzierung aus dem Jahr 2012 einen fairen Wettbewerb privater und öffentlicher Spitäler ermöglichen wollte, gibt es nach wie vor sehr hohe Subventionen und Defizitgarantien der öffentlichen Hand. Die Anfrage für ein kantonales Darlehen durch das Spital in Wetzikon ZH ist keine Ausnahme. Das heutige System droht zu kollabieren und braucht gezielte, korrigierende Eingriffe. 

Die kantonale Hoheit in der Spitalplanung führt dazu, dass die kantonale Politik wenig Anreize hat, Spitäler zu schliessen. Oder hat jemals jemand einen Publikumspreis für eine Spitalschliessung gewonnen? In der Konsequenz haben wir heute «für jedes Täli ein Spitäli». Die heutige Situation verschärft den Fachkräftemangel und führt zu einer tieferen Behandlungsqualität. Die Statistik zeigt klar: Je öfters ein Spital eine spezifische Operation durchführt, desto höher ist die Qualität.

Der Bund als Berater und Motivator

Ob die Situation allerdings besser würde, wenn die Spitäler in den Amtsstuben des Bundesamts für Gesundheit geplant werden, ist fraglich. Solange das Tabu des Vergütungszwangs für alle Leistungserbringer (Vertragszwang) existiert, sollen die Kantone ihre verfassungsmässige Verantwortung in der Gesundheitsversorgung wahrnehmen. 

Ein neuer Ansatz wäre, dass der Bund koordinierend zur Seite stehen kann. Um dies anzustossen, habe ich in der vergangenen Frühlingssession ein von rechts bis links abgestütztes Postulat eingereicht. Der Bund könnte den Kantonen Anreize zur überkantonalen Planung von Gesundheitsregionen setzen, etwa mit Investitionsbeiträgen. Das würde die kantonalen Diskussionen erleichtern und wäre in der Schweiz kein Novum: Viele Kantone unterstützen die Gemeinden finanziell in ihren Bestrebungen, sich zusammenzuschliessen. Ein bewährtes Vorgehen, das auch bei den Spitälern funktionieren könnte. 

Die hohen Defizite stammen einerseits aus hohen Strukturkosten, andererseits aus verfehlten Tarifen von ambulanten Leistungen. Heute ist ein Teil der Leistungen nicht kostendeckend. Das würde sich ändern, wenn der Bundesrat schnellstmöglich den neuen Ärztetarif Tardoc genehmigen würde. Zusammen mit der vom Parlament beschlossenen einheitlichen Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen würden neu die Leistungserbringer, Kantone und Versicherer am selben Strick ziehen.

Wir müssen Qualität honorieren

Die Patientin und der Patient gehen in der Gesundheitspolitik leider oftmals vergessen. Dabei sollten sie befähigt werden, gut informiert die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu kennen. Wenn ich heute ein Restaurant reserviere oder eine Massage buche, erhalte ich im Internet Hunderte Bewertungen und weiss im Voraus, welche Kosten mein Verhalten verursachen wird. Meine Zahlungsbereitschaft nimmt mit der Qualität der Leistung zu. 

Im Gesundheitswesen gilt das nicht. Die Leistung wird unabhängig von der Qualität vergütet, da es heute nicht möglich ist, qualitätsabhängige Tarife abzuschliessen. Auch das wollen wir im Parlament ändern, indem wir den Fokus der Vergütung von der Quantität neu auf die Qualität legen. Zudem soll die Transparenz über die Leistungen der Ärztinnen und Ärzte zunehmen, sodass die Bürgerin und der Bürger informiert Entscheide fällen können. Hierzu sind weitere, gezielte Reformen notwendig.

Dank diesen gezielten Eingriffen sollen gut arbeitende Spitäler eine sichere Zukunft haben. Spitäler mit zu wenigen Fällen in einer Region mit zu hoher Spitaldichte würden umgenutzt werden. 

Das gäbe auch den Mitarbeitenden der leidenden Spitäler Zukunftsaussichten. Wer will schon in einem Betrieb arbeiten, der Verluste schreibt, schrumpft und notwendige Investitionen aufschieben muss? Dank einer Konsolidierung würde die Arbeitsmoral zunehmen und der Fachkräftemangel abnehmen. 

Wir Bürgerinnen und Bürger würden von qualitativ hochwertigen Gesundheitsregionen profitieren. Wir Prämienzahlerinnen und Prämienzahler würden von tieferen Prämien profitieren, weil nicht mehr der Strukturerhalt, sondern zukunftsweisende Medizin finanziert würde. Dafür braucht es keine Revolution im Gesundheitswesen, sondern das Ergreifen von Massnahmen, die bereits auf dem Tisch liegen.

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