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Die Schweiz braucht eine KMU-Session

Was wäre, wenn einmal 246 Unternehmerinnen und Unternehmer im Bundeshaus Politik machen würden? Für eine Politik mit Fokus auf die, welche die Schweiz vorwärtsbringen.

Die Schweiz ist ein Land von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). 99 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU. Dahinter stecken Hunderttausende Menschen, die über ihr eigenes Tun und Wirken hinaus Verantwortung übernehmen. Ihr unmittelbarer Wirkungskreis umfasst neben dem eigenen Betrieb mit Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten auch die Umwelt und die Gesellschaft.

In der Politik kommen diese Menschen zu kurz. In vielen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern wurde mir klar, dass für viele die zeitliche, finanzielle und auch emotionale Verantwortung zur Führung eines KMU nur selten ein politisches Engagement zulässt. Das widerspiegelt sich in der Zusammensetzung des Parlaments. 

Nur wenige Parlamentarierinnen und Parlamentarier tragen neben ihrem Parlamentsmandat Verantwortung in einem KMU. Wenn sich das Parlament also mit «der Wirtschaft» beschäftigt, geschieht dies oft aus dem Elfenbeinturm heraus und ohne dass die Betroffenen mitreden können. Darüber hinaus geht es nicht selten um neue Regulierungen aufgrund von Exzessen und Fehlern einzelner Manager, wofür die KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer nichts können. Diese Regulierungen treffen dann aber immer auch die KMU. Diese müssen mehr Zeit und Geld für die neuen Regelungen aufwenden.

Der Bürokratiemonitor des Bundesrates schlägt Alarm: Die Belastung für Bau- oder Arbeitsbewilligungen wie auch für die Rechnungslegung und Revision nimmt immer mehr zu. Da ein Dokument, dort eine Prüfung. Das alles kostet Geld, das entweder durch höhere Preise oder tiefere Kosten wieder eingebracht werden muss.

Verwaltung darf nicht schneller wachsen als Wirtschaft und Bevölkerung

Wenn ich nach Deutschland oder Frankreich schaue, beobachte ich, dass die Motivation derjenigen, die jeden Morgen zur Arbeit gehen, und derjenigen, die Verantwortung für ein KMU übernehmen, immer kleiner wird. Salopp fragen sich diese Leute: «Lohnt es sich überhaupt noch, eine Extrameile zu gehen?» Das bedeutet, sie sehen kaum mehr Anreize, im Job einen besonderen Effort zu leisten.

Auch in der Schweiz wächst der gut entlöhnte Verwaltungsapparat jedes Jahr. Die Schweizer Verwaltung leistet einen guten und bürgernahen Job. Sie darf aber nicht schneller als die Wirtschaft und die Bevölkerung wachsen und diese damit verdrängen. Es ist eine Frage der Zeit, bis es sich für viele Menschen kaum noch lohnt, die Extrameile zu gehen. Das hat langfristig grosse Folgen für die Kaufkraft des Schweizer Mittelstandes: Die Preise steigen, die Löhne stagnieren, die Steuerbelastung nimmt zu, die Kaufkraft sinkt.

Unter keinen Umständen dürfen wir in der Schweiz in diese Abwärtsspirale geraten. Die KMU-Wirtschaft braucht Platz, um zu florieren. Davon profitiert die Gesellschaft direkt. Unternehmen bezahlen Gewinnsteuern, und das Steuersubstrat der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigt. Zudem entlastet eine hohe Erwerbsquote die Arbeitslosenversicherung. Deshalb ist es im Sinne von uns allen, Unternehmerinnen und Unternehmern Steine aus dem Weg zu räumen und dieser Entwicklung den Weg zu ebnen. Leistung muss sich lohnen. 

Um das in Zukunft sicherzustellen, müssen wir vermehrt auf die KMU-Wirtschaft hören. Auf jene Menschen, welche die Bedürfnisse ihrer Kunden abholen, Produkte und Dienstleistungen entwickeln, damit Umsatz generieren, um so Löhne auszahlen, und Investitionen tätigen. Sie haben eine stärkere Stimme in der Politik verdient.

Was wäre also, wenn wir all diejenigen – die Schuhmacherin, den Metzger, den Exportunternehmer oder die Start-up-Unternehmerin – für zwei Tage ins Bundeshaus einladen und eine KMU-Session durchführen würden? Was wäre, wenn sie über ihre Branche hinweg und ohne Scheuklappen in verschiedenen Themengruppen Vorschläge erarbeiten würden, wie die KMU in der Schweiz gestärkt werden können – und damit das Rückgrat unserer Wirtschaft?

Wer macht mit bei der ersten KMU-Session der Schweiz? Ich würde mich freuen!

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