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Andri Silberschmidt: «Das Bild des Bankers, das gezeichnet wird, wird dem Berufsstand nicht gerecht»

Andri Silberschmidt, Nationalrat und FDP Vize-Präsident, erläuterte beim 10. Branchentalk Banken von schweizeraktien.net die «Zukunft des Finanzplatzes Schweiz».

Im Interview gibt der Unternehmer und ehemalige Banker Antwort auf die Fragen, welche Rolle die regional tätigen Banken spielen sollten, welche Lehren aus dem Debakel mit der CS zu ziehen sind, ob wir mehr Regulierung brauchen und wenn ja, in welche Richtung sie gehen sollte.

Herr Silberschmidt, in Ihrer Präsentation am Branchentalk Banken von schweizeraktien.net strichen Sie die Bedeutung der Regionalbanken hervor. Wie kann die Politik, wie kann Ihre Politik diese weiter stärken?

Andri Silberschmidt: Es braucht liberale Rahmenbedingungen. Wir brauchen einen Wettbewerb in der Schweiz und sollten nicht stärker regulieren, womit wir einem Bankensterben Vorschub leisten würden. Im Gegenteil, wir müssen aufpassen, dass gerade kleinere Banken nicht unter den neuen Regelungen zu leiden haben, die getroffen werden, um die systemrelevanten Banken zu regulieren.

Soll jetzt der Finanzplatz Schweiz nach dem Ende der CS weiter diversifizieren, und wie könnte eine solche Diversifikation aussehen?

Im Bereich des Privatkundengeschäfts haben wir in der Schweiz eine breite Diversifikation, eine grosse Auswahl an verschiedenen Anbieterinnen und Anbietern. Was das internationale Firmenkundengeschäft anbelangt, ist das Ende der Credit Suisse natürlich ein herber Rückschlag. Wir wissen heute aber noch nicht, was mit der CS passiert, ob sie in der einen oder andere Form eigenständig überlebt.

Letztlich ist es für die Unternehmen wichtig, dass sie eine Auswahl für ihre komplexen finanziellen Anliegen haben. Da bieten sich 300 verschiedene Banken an. Wir müssen  Wettbewerb und tragbare Risiken zulassen. Eine «no risk policy» hätte zur Folge, dass wir Tausende von Arbeitsplätzen in der Schweiz verlören.

Sie fordern in der Motion Ihrer Partei, gezielter zu regulieren. Dabei wollen Sie vor allem auf Grossbanken abzielen. Aber wie sieht das bei regional tätigen Banken aus? Sollen die gleich behandelt werden, oder hat dann jede Bankengrösse ihre eigene Regulierung?

Als Gesetzgeber müssen wir grundsätzlich bleiben. Wir können nicht zehn verschiedene Schwellenwerte definieren, wann welche Regulierung greifen soll. Für mich sollte die Regulierung viel mehr an Zielen festgemacht werden, und die Massnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, sind dann möglicherweise bei Retailbanken andere als bei bei Grossbanken. Das wäre ein gangbarer Weg. Aber sicher sollte nicht alles über über einen Kamm geschoren werden.

Sie fordern auch, dass die Eigenmittel-Unterlegung allenfalls verschärft wird. Soll das jetzt nur für eine UBS gelten, oder fordern Sie das für alle Banken?

Zunächst sollten alle Instrumente geprüft werden. Haben diese in der Vergangenheit ihren Beitrag geleistet? Wenn nicht, dann waren es die falschen Instrumente oder sie wurden falsch eingesetzt.

Die Eigenkapitalquote ist natürlich ein beliebtes Instrument. Ich glaube aber, wir müssen vorsichtig sein. Man kann nicht einfach die Bilanz einer Retailbank mit der einer Grossbank gleichsetzen, weil die Risiken sich doch sehr unterscheiden. Wenn man ins Ausland schaut, dann hatten in den USA die Banken die Fristentransformation nicht im Griff. Bei der CS hingegen war es am Schluss das fehlende Vertrauen. Jede Krise hat ihre spezifischen Ursachen, deshalb ist es problematisch, nach einer Krise alles regulatorisch einschränken zu wollen.

Ihrer Meinung nach soll es einen Beirat zur Überwachung der UBS geben. Nun haben wir ja bereits die Finma. Brauchen wir denn solch einen Beirat, trauen Sie der Finma nichts zu?

Die parlamentarische Untersuchungskommission wird alles prüfen: Was lief gut, und was lief weniger gut? Es wäre heute zu früh, ein Fazit zur Rolle der Finma zu ziehen. Die FDP hat dem Bundesrat eine Steilvorlage gegeben, damit er für eine zukünftige Regulierung ein Expertengremium anstatt einer Behörde beiziehen kann. Bundesrätin Karin Keller-Suter hat bereits ein solches Gremium eingesetzt, welches sie jetzt begleitet. Es ist wichtig, nicht im Elfenbeinturm Beschlüsse zu fassen, sondern die Regulierung mit Menschen auszuarbeiten, die den Markt kennen.

Man hat bei der CS gesehen, wie der Verwaltungsart versagt hat, indem er seiner Aufsichts-Pflicht nicht nachgekommen ist. Wie soll man Ihrer Meinung nach Bankmanager und Verwaltungsräte nach einer Krise wie derjenigen der CS haftbar machen?

Es gibt das Senior Management Regime in UK, das in den letzten Monaten in der Schweiz stark an Beliebtheit gewonnen hat. Die Haftung ist im Strafgesetzbuch und dann auch zivilrechtlich geregelt. Unternehmerische Fehlentscheide kann man nicht zivil- oder strafrechtlich ahnden, und das ist auch richtig so.

Es ist wichtig, dass die ganzen Lohn- und Bonussysteme so ausgestaltet werden, dass man mehr «Skin in the Game» hat. Wenn man Fehler strafrechtlich verfolgt, geht keiner mehr Risiken ein, und ohne Risiko kein Erfolg. Man muss Risiken eingehen und Fehler machen dürfen.

Zum Schluss Ihr Blick in die Zukunft. Was macht Ihnen Hoffnung für den Bankenplatz Schweiz?

Die vielen Innovationen, gerade von Start-ups, aber auch von etablierten Playern stimmen mich zuversichtlich. Wir haben eine wirklich starke Position im Bankensektor mit Tausenden von Arbeitsplätzen. Ich bin aufgrund meiner Vergangenheit mit vielen Leuten im Austausch, die in einer Bank arbeiten. Das sind alles super Leute, die sich wirklich viel Mühe geben. Das Bild des Bankers, das teilweise gezeichnet wird, wird dem Berufsstand nicht gerecht.

Herr Silberschmidt, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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