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Startups & Unternehmertum

Ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz einfach, eine neue Firma zu gründen und eine neue Geschäftsidee umzusetzen?

In der Schweiz ist es nicht sonderlich schwierig, aber auch nicht wirklich einfach, eine neue Firma zu gründen. Einfacher wäre die Umsetzung einer neuen Geschäftsidee, wenn der Gründungsprozess endlich vollständig digital möglich wäre und das Startkapital gerade für «Bootstrapped»-Unternehmen gesenkt würde

Erhalten Gründer in der Schweiz genügend finanzielle Unterstützung oder Hilfeleistungen seitens Bund, Kantone und Venture Capital Unternehmen oder Privatunternehmen?

Der Staat unterstützt Gründer mit dem hervorragenden Bildungssystem (siehe bspw. die Spin-Offs der EHT), dem Zugang zu ausländischen Märkten, etc. indirekt. Eine direkte finanzielle Unterstützung von Gründern durch den Staat lehne ich ab. Das unternehmerische Risiko ist Sache der Gründer.

Der Zugang zu privatem Kapital ist in der Schweiz gut, könnte aber wesentlich besser sein. In Israel wurde 2015 bspw. 10-mal mehr (0,383% [Israel] vs. 0,044% [Schweiz] des BIP) in Startups investiert als in der Schweiz. Wollen wir uns künftig nicht nur im Mittelfeld bewegen, sondern an die Spitze vordringen, müssen wir entsprechende Massnahmen einleiten.

Hierbei denke ich an den erst kürzlich geschaffenen L-QIF, an eine verbesserte Rechtssicherheit von Business Angels oder an die Modernisierung der Anlagerichtlinien der Pensionskassen, damit diese mehr als nur 8,3% (vgl. Pensionskassenstatistik 2020) unseres Volksvermögens von knapp CHF 1’000 Mrd. in alternative Anlagen investieren.

Was gilt es als Gründer in der Schweiz besonders zu beachten und ist die Schweiz für Gründer attraktiv genug?

Die Schweiz ist für Gründer sehr attraktiv; die Anzahl an Unternehmensgründungen steigt seit 2011 kontinuierlich (vgl. statista). Wie bereits ausgeführt, verfügen wir über ein hervorragendes Bildungssystem (duales Bildungssystem, Hochschullandschaft, etc.), weshalb der Schweiz ein immenser Talentpool zur Verfügung steht.

Dieser wird aber in Zukunft nicht mehr ausreichen: Dem Schweizer Arbeitsmarkt fehlen bis 2025 365’000 Arbeitskräfte; bis 2029 670’000 und bis 2035 sogar 1.2 Mio.

Infolgedessen müssen wir das Potenzial älterer Arbeitnehmenden aktivieren sowie den Zugang zu ausländischen Talenten verbessern. Heute stellen insbesondere die Drittstaatenkontingente, welche regeln, wie viele Personen aus einem Drittstaat in die Schweiz einreisen dürfen, eine grosse Hürde dar. Diese berücksichtigen den vorherrschenden und sich akzentuierenden Fachkräftemangel nicht, weshalb dringend benötigte Talente oftmals nicht in die Schweiz einreisen und hier arbeiten dürfen.

Ist als Gründer in der Schweiz einfach, an Investoren zu kommen?

Der Zugang zu privatem Kapital ist in der Schweiz okay. Verglichen mit anderen Ländern wie Israel oder dem Vereinigten Königreich ist der Anteil an Investoren, welche in ein (1) Startup investiert sind, in der Schweiz sehr gross. Bei den Investoren, welche in mehrere Startups investieren, hinkt die Schweiz jedoch hinterher. Das heisst: Die Professionalisierung der Schweizer Investorenszene ist noch nicht weit fortgeschritten. Entsprechend könnte es für Schweizer Gründer (insb. in der Wachstumsfinanzierung) noch einfacher sein, an Investoren und damit an Kapital zu gelangen.

Wenn Sie schon einmal gegründet haben, was würden Sie anders machen?

Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber ich denke, im Grossen und Ganzen haben wir gute Entscheide getroffen. Deshalb kommen mir auch nicht gerade Themen in den Sinn, die ich bestimmt anders machen würde.

Welche Tipps würden Sie an neue Gründer mit auf den Weg geben?

Ich würde zu Beginn mit wenig Kapitaleinsatz starten, bis ein «Produkt-Markt-Fit» erreicht wurde. Sobald die Rückmeldungen der Kundschaft gut sind, kann man durchstarten.

Ist es Ihrer Meinung nach einfach, als Schweizer Gründer mit einem erfolgreichen Tech Startup ins Ausland zu expandieren?

Das ist im Einzelfall zu beurteilen: Es gibt Tech Startups, welche auf Anhieb Erfolg haben und solche, welchen die Expansion ins Ausland schwerfällt.

Was aber festgehalten werden kann, ist Folgendes: Die Schweiz ist ein kleines, mehrsprachiges Land mit vielen kulturellen Unterschieden ist, weshalb das Potenzial des einheimischen Markts stark begrenzt ist. Entsprechend attraktiv und wichtig sind Expansionen ins Ausland. Diesbezüglich gibt es Hürden, die abzubauen sind: Einerseits besteht nur ein beschränkter Zugang zum EU-Markt. Zudem erodieren bestehende Freihandelsabkommen mit anderen Ländern und damit die Zugänge zu deren Märkte zusehends. Andererseits ist die Arbeit im Hochlohnland Schweiz teuer, was sich negativ auf den internationalen Wettbewerb auswirkt.

Deshalb tun wir gut daran, die Beziehungen zu anderen Staaten zu pflegen, Abkommen stetig weiterzuentwickeln und die Rahmenbedingungen in der Schweiz fortlaufend zu verbessern.

Wo hat die Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern noch offene Lücken bzw. was benötigt die Schweiz noch, um den europäischen Startup-Hub darzustellen?

Ein Punkt ist sicherlich die Professionalisierung der Investorenszene: Wir brauchen mehr professionelle Investoren, welche regelmässig investieren. Weiter müssen grössere Finanzierungsrunden einfacher werden. Heute profitieren Startups nicht vom leistungsfähigen Finanzplatz Schweiz. Denn auch hier gibt es zu wenige und zu kleine professionelle Risikokapitalgesellschaften, welche den Markt für die traditionellen Player in der Finanzbranche attraktiv machen.

Wie stark vernetzt nehmen Sie die Gründerszene untereinander wahr?

Die Gründerszene nehme ich dank Events wie der Startup Night Winterthur o.ä. als sehr gut vernetzt wahr. Die Pandemie hat die physische Vernetzung sicherlich etwas gebremst. Post-Covid werden die Kontakte sicherlich wieder intensiver gepflegt. Die Swiss Startup Association und die Swiss Entrepreneurs and Startup Association arbeiten viel an einem guten Schweizer Startup Netzwerk.

Welches sind Ihrer Meinung nach die 3 wichtigsten «Success-Factors», um sich als Schweizer Tech Startup gegen die internationale Konkurrenz erfolgreich behaupten zu können?

  • Zugang zu Talenten
  • Zugang zu Kapital
  • Zugang zu Märkten

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