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21.4348 – Auslegeordnung zum „unternehmerischen Denken und Handeln“ in der Schweizer Bildungslandschaft

Einreichungsdatum: 29. November 2021

Stand der Beratungen: Im Rat noch nicht behandelt

Eingereichter Text

Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit der EDK zu prüfen und Bericht zu erstatten, wie das unternehmerische Denken und Handeln (UDH) in der Bildungslandschaft verankert ist und wo und wie das UDH stärker verankert und im ganzen Bildungssystem besser aufeinander abgestimmt werden könnte. Dies sowohl in seinen Zuständigkeiten als auch in denjenigen Bildungsstufen mit kantonaler Zuständigkeit.

Begründung

Die Schweiz ist im Bereich der Innovation weltweit führend. Eine Voraussetzung, diese Position auch in Zukunft zu halten, ist ihr Humankapital. Es braucht unternehmerisch denkende und handelnde Angestellte, die Verantwortung für ihren Wirkungsbereich übernehmen und Unternehmen mitgestalten (Intrapreneurship), GründerInnen, die Innovationen erfolgreich lancieren und NachfolgerInnen, die dafür sorgen, dass bestehende Unternehmen, deren Nachfolge ungeregelt ist (im Jahr 2020 etwa 75 000, Bisnode D&B, 2020) weitergeführt werden.

Unternehmerische Kompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, die Zukunft der Schweiz aktiv, verantwortungsbewusst und innovativ zu gestalten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob unternehmerische Kompetenzen im Bildungssystem in der Schweiz auf allen Bildungsstufen genügend gefördert werden.

In seiner Antwort zur Interpellation 21.3706 beschreibt der Bundesrat punktuelle Anstrengungen zur besseren Verankerung von UDH in der Schweizer Bildungslandschaft. Die Antworten zeigen auch auf, dass eine Auslegeordnung, geschweige denn eine nationale Strategie, zu UDH fehlt. Diese Lücke soll mit einem Bericht auf Basis dieses Postulats geschlossen werden. Der Bericht soll ergänzend zum Postulat 20.4285 erstellt werden, welches den Fokus auf die Lehrmittel und Gleichstellung hat.

Stellungnahme des Bundesrates vom 23. Februar 2022

Der Bundesrat erachtet ebenso wie der Postulant unternehmerische Kompetenzen als wichtig, wie er bereits in seiner Antwort vom 1. September 2021 auf die Interpellation 21.3706 erklärt hat.

Auf Ebene der Volksschule sehen die drei sprachregionalen Lehrpläne den Erwerb transversaler Kompetenzen vor, die für die spätere Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen nützlich sein können.

Auf Ebene der Gymnasien bietet das gemeinsame Projekt von Bund und Kantonen „Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität“ (www.matu2023.ch) Gelegenheit, den Status von Fächern wie Wirtschaft und Recht sowie die Gewichtung transversaler Kompetenzen zu überprüfen.

Die Berufsbildung wird von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt verbundpartnerschaftlich gesteuert. Die Organisationen der Arbeitswelt sind für die Ausbildungsinhalte zuständig; dadurch wird sichergestellt, dass die Profile der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung auf die aktuellen und künftigen Anforderungen des Arbeitsmarktes abgestimmt sind. Zur Vertiefung unternehmerischer Kompetenzen bietet die höhere Berufsbildung (eidgenössische Prüfungen und höhere Fachschulen) den Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Grundbildung spezifische Fortbildungen, um Führungsaufgaben übernehmen oder ein eigenes Unternehmen aufbauen zu können. Ein Bericht in Erfüllung des Postulats 20.4285 wird den Stellenwert des Unternehmertums insbesondere in Angeboten der höheren Berufsbildung näher analysieren. Die höhere Berufsbildung bereitet jedes Jahr über 25 000 qualifizierte Fachkräfte darauf vor, auf dem Arbeitsmarkt verantwortungsvolle Stellen zu übernehmen.

Im Hochschulbereich bilden Entrepreneurship und Innovation einen wichtigen und breit verankerten Themenbereich. Entwickeln und Umsetzen von Ideen und unternehmerisches Handeln werden breit verstanden, von betriebswirtschaftlichen und technologischen bis zu sozialen, kreativen und künstlerischen Aspekten. Entrepreneurship und Innovation werden in zahlreichen Aus- und Weiterbildungen behandelt (vgl. www.studyprogrammes.ch) und sind auch Forschungsgegenstand (vgl. z. B. Research Institute of Entrepreneurship & Management HES-SO Wallis). Hochschulen fördern zudem Start-ups und Spin-offs durch Hubs, Clubs und Unterstützungsorganisationen (vgl. z. B. Innovation & Entrepreneurship Lab der ETHZ). In den strategischen Zielen 2021-2024 des Bundesrates für den ETH-Bereich (www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2021/1038/de) ist die Förderung des Unternehmertums ausdrücklich festgehalten. Die Schweizerische Hochschulkonferenz unterstützt derzeit das Pilotprojekt „Entrepreneurial Competence in Science“ der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Entrepreneurship und Innovation werden vom Bund auch über die Forschungs- und Innovationsförderung unterstützt: Innosuisse unterstützt Start-ups bei der Entwicklung einer Geschäftsidee, der Geschäftsgründung sowie der Wachstumsstrategie mittels der Programme „Start-up Coaching“ und „Start-up Training“. Mit der am 17. Dezember 2021 vom Parlament verabschiedeten Revision des Bundesgesetzes über die Förderung der Forschung und der Innovation kann Innosuisse Innovationsprojekte von Jungunternehmen fördern, wenn die Projektarbeiten zur Vorbereitung ihres erstmaligen Markteintritts erforderlich sind. Das gemeinsame Programm BRIDGE von Schweizerischem Nationalfonds und Innosuisse unterstützt Forschende, ihre Resultate im Hinblick auf eine mögliche Markteinführung weiterzuentwickeln.

Angesichts der zahlreichen und kohärenten Massnahmen, der bestehenden Förderinstrumente und des in Erfüllung des Postulats 20.4285 bereits zu erarbeitenden Berichts erachtet der Bundesrat einen zusätzlichen Bericht in diesem Bereich nicht als angezeigt.

Antrag des Bundesrates vom 23. Februar 2022

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

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