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«Ich kann jederzeit überall einschlafen»

FDP-Vizepräsident Andri Silberschmidt macht mit einer schärferen Asylpolitik Schlagzeilen. Warum der Gymi-Abbruch die beste Idee seines Lebens war, über welchen Spitznamen sich seine Eltern ärgerten und warum er die Hosen früher unter dem Füdli trug.

von Jessica Pfister

Andri Silberschmidt, knapp eineinhalb Jahre vor den eidgenössischen Wahlen setzt die FDP auf einen harten Asylkurs. Wollen Sie der SVP Wähler abjagen?

Ich finde es falsch, auf andere Parteien zu schielen. Wir müssen gute Arbeit leisten und glaubwürdige Politik machen. In der Asylpolitik heisst das: jenen Menschen Schutz bieten, die ihn brauchen, und die anderen konsequent zurückweisen. Ein SVP-Mitglied würde uns deshalb wohl nicht wählen.

Die beste Idee Ihres Lebens?

Das Gymi abzubrechen. Ich machte danach eine Banklehre, die bei mir das Interesse für Politik weckte. Im Fachhochschulstudium lernte ich jene Kollegen kennen, mit denen ich auf einer Reise die Geschäftsidee für unsere Poké Bowls entwickelte – eine japanisch-hawaiianische Spezialität. Heute haben wir neun Filialen und 70 Angestellte.

Was haben Ihre Eltern Ihnen als Kind immer gesagt?

Meine Mutter ist Verkäuferin, mein Vater arbeitet im Schulbereich. Sie haben mir Demut und Bodenständigkeit beigebracht.

Was ist Ihre frühste Erinnerung?

Mit zehn hatte ich einen Skiunfall und schlug mir die beiden oberen Vorderzähne halb raus. Meine grösste Sorge war, dass ich deshalb nie eine Freundin finden werde. Mein Vater macht sich heute noch darüber lustig.

Sie haben heute eine Freundin!

Genau – und meine Zähne sind auch geflickt (lacht).

Als Sie 16 Jahre alt waren: Wie sah Ihr Zimmer da aus?

Es hingen viele Plakate von Hip-Hop-Musikern wie 2Pac oder Eminem an den Wänden. Ich hatte ein ziemliches Puff. Es gab einen Gang, der frei war, damit ich zum Pult und zum Bett kam.

Hatten Sie einen Spitznamen?

Ince – Inse ausgesprochen.

Warum Ince?

Ich konnte den Namen des ehemaligen italienischen Fussballstars Filippo Inzaghi nicht aussprechen und sagte immer Ince. Deshalb nannte man mich so. Zum Ärger meiner Eltern, die mir extra einen kurzen Namen gegeben haben.

Sind Sie verwandt mit der SRF-Moderatorin Bigna Silberschmidt?

Bigna ist meine Coucousine. Silberschmidts gibts nicht viele auf der Welt.

An welchem Geschenk hatten Sie als Kind besonders Freude?

An meinem ersten Schulthek: klassisch mit Kuhfell.

Welche Bücher haben Ihr Leben beeinflusst?

Das ist jetzt vielleicht eine Streberantwort: Das Buch «Getting Things Done» von David Allen half mir, mich gut zu organisieren. Deshalb habe ich heute kein Puff mehr im Zimmer (lacht).

Und Musik?

Hip-Hop hat mich insofern beeinflusst, als ich immer mit weiten Hosen und Gangstercap rumgelaufen bin. Gekifft habe ich auch. Bis zur Banklehre. Dann wurde ich anständig.

Ihre grösste Modesünde?

Die Baggy-Hosen fand ich noch okay. Das Problem war, dass ich sie meistens unter dem Füdli trug.

Welches ist Ihre liebste App?

Ich habe viel zu viel Zeit auf Twitter verbracht – etwa eine Stunde pro Tag. Deshalb löschte ich die App. Jetzt muss ich über die Website rein.

Welches Geräusch mögen Sie?

Ich habe eine Apple-Playlist mit Pianomusik, die ich am Morgen höre. Damit gehe ich gechillt in den Tag.

Etwas, was Sie gern noch machen würden?

Mein stetiger Traum ist es, meinen Horizont zu erweitern. Zu reisen oder in den Alltag einer anderen Person einzutauchen. Ich habe schon als Bäcker ein Praktikum gemacht, Päckli ausgeliefert oder bei der Kanalreinigung geholfen.

Für welche Eigenschaften bekommen Sie immer wieder Komplimente?

Dass ich gut zuhören kann und immer versuche, einen Kompromiss zu finden.

Wann in Ihrem Leben hatten Sie so richtig Schwein?

Als Kind wurde ich von einem Auto angefahren. Der Fahrer fuhr rückwärts und merkte nichts. Er hat mir dann als Entschuldigung Katzenzüngli aus Schokolade geschenkt. Ausser Schürfungen ist mir nichts passiert.

Was an Ihnen ist nicht normal?

Ich kann jederzeit überall einschlafen. Als Kind schlief ich bei Besuchen oft unter dem Tisch.

Wie sind Sie betrunken?

Etwas lustiger und entspannter.

Was können Sie angetrunken besser als nüchtern?

Früher hätte ich gesagt Französisch. Das ist jetzt besser geworden.

Sie wären für einen Tag eine Frau. Was tun Sie?

In den Ausgang gehen. Um selbst zu erfahren, wie Frauen teilweise übel angemacht werden.

Engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Ich unterstütze die Förderung von begabten Kindern in Kenia und auf den Philippinen. Dafür engagierte ich mich schon vor meiner Nationalratszeit.

Das Kitschigste, was Sie je gemacht haben?

Oh, jetzt kommen die intimen Details (lacht). Mit meiner Freundin gehe ich am Jahrestag jeweils auf dem Zürichsee Böötli fahren. Ich finde das schöner und romantischer, als in ein schickes Restaurant zu gehen

Seit 2019 im Nationalrat: der Zürcher Andri Silberschmidt, 28. Er arbeitet bei Planzer und als Gastrounternehmer.

Sie erhalten einen Preis für Ihr Lebenswerk: Wer soll die Hommage halten?

Meine Partnerin. Wir sind dann hoffentlich immer noch zusammen.

meine welt.
SEINE FREUNDIN Mit Start-up-Investorin Andrea, 28, ist Silberschmidt seit zwei Jahren zusammen. «Wir wohnen in Zürich Enge.»
MEIN HAUSTIER «Ein ausgeliehenes. Finnie, der Hund meiner Schwiegereltern. Den füttern und betreuen wir teilweise.»
DAS HÖRE ICH GERADE «Ein Hörbuch von George Orwells Roman ‹1984›. Darin gehts um einen totalitären Überwachungsstaat.»
DAS KAUFTE ICH ZULETZT «Lange Socken. Weil eine Kollegin im Nationalrat meinte, ich könne zum Anzug keine kurzen Socken tragen.»
MEIN LIEBLINGSRESTAURANT «Natürlich das ‹Kasa Kaisin› und die anderen Restaurants unserer Kette.»

Über 3'000 SchweizerInnen sind schon dabei.

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